der nordwesten siziliens bis palermo…

der nordwesten siziliens bis palermo, mit dem ersten besichtigungsstopp in der lagune von stagnone bei marsala.
dort befindet sich eine aktive salzgewinnungsanlage, „saline ettore e infersa“, mit einer historischen windmühle aus dem 16. jh..hier dreht sich hier alles um drei faktoren: meerwasser, sonne und wind. das wasser verdunstet in flachen becken, der salzgehalt steigt und schließlich bilden sich kristalle. was bei uns ganz selbstverständlich auf dem esstisch steht, braucht hier also vor allem eines – zeit. die salzgewinnung prägt diese ecke siziliens schon seit generationen und die erntesaison, mit rechenartigen instrumenten, dauert typischerweise von juli bis september.

 

mittendrin steht die alte windmühle – nicht bloß ein hübsches fotomotiv, sondern ein stück handwerksgeschichte. die restaurierte und auch heute noch voll funktionsfähige „mulino d’infersa“ pumpt das wasser ab einem bestimmten salzgehalt durch ein ausgeklügeltes system von einem becken ins nächste und in ihrem inneren lässt sich bei multimedia-ausstellungen und 3d-animationen nachvollziehen, wie die kraft des windes genutzt wird, um das gewonnene salz zu mahlen. schon spannend, wie viel technik hinter so einem kleinen salzkorn steckt.
zwischen den salzbecken, der windmühle und der lagune mit mehreren kleinen inseln und dem naturschutzgebiet (riserva naturale regionale isole dello stagnone di marsala), zeigt sich sizilien einmal von einer ganz anderen seite. hier gehören landschaft und handwerk zusammen – und genau das macht diesen ort so besonders.

im anschluß fuhren wir nach trapani, eine hafenstadt auf einer sichelförmigen landzunge im äußersten nordwesten siziliens, zwischen dem tyrrhenischen meer und dem mittelmeer. bei unserem gemütlichen altstadtbummel gab es viel zu besichtigen, u.a. die wallfahrtskirche santuario dell’annunziata; die kathedrale von trapani (cattedrale di san lorenzo martire); das castello di mare (auch bekannt als torre della colombaia, eine historische festung auf einer kleinen insel am östlichen ende des hafens); den torre di ligny (im inneren befindet sich ein kleines archäologisches museum); den faro scoglio palumbo (ein historischer leuchtturm vor der hafeneinfahrt); den palazzo lucatelli (ursprünglich als städtisches krankenhaus erbaut und im 18. jh. zu einem stadtpalast mit imposanten portal erweitert) & die piazza lucatelli; die chiesa delle anime sante del purgatorio (barrockkirche mit der berühmten „misteri di trapani“ – 20 lebensgroße holzskulpturengruppen, samt kunstvollen kleidungsstücken und accessoires, die verschiedene szenen der passion christi eindrucksvoll darstellen).

besonders rund um den corso vittorio emanuele und die via garibaldi zeigt sich die altstadt von ihrer eleganten seite – barocke fassaden, alte kirchen und kleine geschäfte wechseln sich mit cafés und restaurants ab. am corso setzt der prächtige palazzo senatorio mit eleganten steinmetzarbeiten einen besonderen akzent (diente historisch als senatspalast und wird heute als rathaus genutzt). dazwischen führen schmale gassen immer wieder zu einem blick aufs meer – eine schöne mischung aus altstadtbummel und küstenflair.

da wir für den nächsten tag einen besuch in der historischen bergstadt erice planten, flüchteten wir zum schlafen aus der glutheißen hafenstadt trapani auf den 750 m hohen monte erice und übernachteten in angenehmer kühle, fast direkt unter der seibahn die nach erice führt – herrlich wieder einmal bei normalen temperaturen zu schlafen.

erice ist berühmt für seine gut erhaltene mittelalterliche altstadt mit engen kopfsteinpflastergassen, alten stadtmauern und bei klarer sicht reicht der blick weit über die küste, die salinen von trapani und bis zu den ägadischen inseln.
zu den bekanntesten sehenswürdigkeiten gehören die gotische „chiesa madre“ mit ihrem freistehenden, mittelalterlichem glockenturm

und das „castello di venere“, eine mittelalterliche festung aus der normannenzeit, die auf den fundamenten eines antiken tempels aus dem 8. jh. v. chr. errichtet wurde. geschichte und aussicht liegen hier wirklich nah beieinander.

auch für die süße seite siziliens ist erice bekannt. besonders die „pasticceria maria grammatico“, mit ihren süßen, hausgemachten, traditionellen rezepturen wie mandelgebäck, marzipan und die mit creme gefüllten warmen genovesi, gehören hier zu den spezialitäten.

wieder vom berg herunten ging es nach custonaci, am fuß des monte cofano, wo sich die „grotta mangiapane“ (mangiapane-höhle) befindet.

in diese riesige, rund 70 m hohe und 50 m tiefe natürliche höhle wurde ein kleines ländliches dorf mit steinhäusern, ställen, einem ofen und einer kapelle hineingebaut – fast so, als hätte jemand ein stück sizilianisches landleben unter den berg geschoben. ihren namen hat die höhle von der familie mangiapane, die hier bis in die 1950er-jahre lebte. menschliche spuren reichen allerdings noch viel weiter zurück, bis in die altsteinzeit.

 

heute ist das kleine dorf ein freilichtmuseum. alte möbel, landwirtschaftliche geräte und einfache wohnräume erzählen davon, wie der alltag hier früher aussah. keine prunkvollen palazzi, sondern das ganz normale leben zwischen haushalt, handwerk und landwirtschaft.

die nacht verbrachten wir in „san vito lo capo“ direkt an der küste, wo uns das meer mit seiner stetigen musik nach dem sonnenuntergang sanft in den schlaf wiegte.

am nächsten morgen fuhren wir nach „calatafimi-segesta“ wo wir den „parco archeologico di segesta“ besichtigten. nach höhlendorf und küstenidylle ging es hier noch ein gutes stück weiter zurück in die geschichte.
mitten in der hügellandschaft liegt dieser archäologische park, dessen bekannteste bauwerke der „dorische tempel“ und das „antike theater“ sind.
erbaut wurde der tempel etwa zwischen 430 und 420 v. chr., außerhalb der damaligen stadtmauern. an den schmalseiten stehen jeweils sechs, an den längsseiten jeweils vierzehn säulen. vermutlich wurde der bau nie ganz fertiggestellt. warum genau, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. auch welcher gottheit er gewidmet war, weiß man nicht sicher. ein bisschen rätsel darf nach so vielen jahrhunderten offenbar bleiben.

weiter oben liegt das antike theater, dessen halbrunde steinerne sitzreihen sich zur offenen landschaft hin ausrichten. da gehört die aussicht gleich mit zur vorstellung – hügel und eine weite, für die es keine bühnendekoration braucht.
rund um die beiden bekannten bauwerke finden sich außerdem spuren der einstigen stadt, darunter reste von befestigungen, wohnhäusern und der agora, dem öffentlichen platz. segesta ist also weit mehr als ein einzelner tempel fürs fotoalbum.

nächster besichtigungsstopp palermo, wo wir uns nach unserer ankunft für drei tage auf dem „green car stellplatz“ einquartierten, um die stadt zu besichtigen.
nach den antiken steinen von segesta wartete in palermo wieder eine ganz andere seite siziliens auf uns. die inselhauptstadt ist eine lebendige stadt mit engen gassen, großen plätzen, alten palazzi und jeder menge alltag dazwischen. für unsere stadttour gab es also reichlich stoff zum entdecken und einige ziele davon waren – fontana dei due draghi (brunnen der beiden drachen); porta nuova (43 m hoher, monumentaler triumphbogen); cattedrale di palermo (aus dem 12. jh. mit einem einzigartigen mix aus arabisch-normannischen, gotischen, barocken und neoklassizistischen stilen);

mercato del capo (das bunte markttreiben erinnert mit den lauten rufen der händler an einen orientalischen souk); teatro politeama garibaldi (der feste sitz des sizilianischen symphonieorchesters); teatro massimo vittorio emanuele (größtes opernhaus italiens); castello a mare (historische festungsanlage direkt am rande des alten hafenbeckens); chiesa di san domenico (zweitwichtigste kirche der stadt und wird oft als das „pantheon“ berühmter sizilianer bezeichnet – am bekanntesten ist die grabstätte des ermordeten anti-mafia-richters giovanni falcone); mercato vucciria (einer der traditionsreichsten und ältesten stadtmärkte);

quattro canti (achteckige platz, der von vier kunstvoll verzierten, fast identischen konkaven gebäudefassaden eingerahmt wird); chiesa di san giovanni degli eremiti (kirche mit fünf leuchtend rosaroten, halbkugelförmigen kuppeln, die ein paradebeispiel für den einzigartigen arabisch-normannischen baustil des 12. jh. ist);

mercato di ballarò (ältester markt der stadt); santa maria dell’ammiraglio (der kircheninnenraum ist fast komplett mit funkelnden, goldenen byzantinischen mosaiken aus dem 12. jh. bedeckt); fontana pretoria (monumentaler marmorbrunnen aus dem 16. jh.); chiesa del gesù (überwältigendes barock-interieur mit aufwendigen polychromen marmorreliefs, intarsien, stuckarbeiten und einem monumentalen deckenfresko); palazzo dei normanni (königspalast mit der palatin-kapelle) und noch so einiges.

 

besonders interessant fanden wir das real albergo dei poveri – ein barockgebäude aus dem 18. jh. und früher ein monumentales armen- und waisenhaus. es wurde ab 1746 unter könig karl III. von bourbon errichtet und diente als zufluchtsort für waisen, bettler, obdachlose und menschen mit behinderungen. die anlage sollte den bedürftigen nicht nur ein dach über dem kopf und medizinische versorgung bieten, sondern sie auch durch arbeit in hauseigenen werkstätten, wie einer spinnerei und nudelfabrik, wieder in die gesellschaft eingliedern. ursprünglich lebten dort männer und frauen gemeinsam. ab 1898 wurde das gebäude ausschließlich als heim für frauen genutzt, wodurch sich der name albergo delle povere etablierte.

heute wird der historische komplex für kunstausstellungen genutzt.

die letzte nacht in palermo verbrachten wir am strandparkplatz „spiaggia di termini imerese“, wo wir vor dem schlafen gehen mit einem herrlichen sonnenuntergang verwöhnt wurden. jedes mal wieder ein erlebnis.

für uns ging es weiter nach pollina und cefalù, aber was wir da so alles erlebten ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin
alles liebe von den
hovisontour

unterwegs im landesinneren siziliens und wieder zurück an die küste…

unterwegs im landesinneren siziliens und wieder zurück an die küste, erst entlang der südküste und dann weiter bis zur westküste siziliens.
begonnen haben wir mit einem stillen auftakt, mit der besichtigung der „abbey of santo spirito“ in caltanissetta.
die abteikirche blickt auf eine bewegte geschichte zurück. ihre ursprünge reichen bis in die arabische zeit siziliens, als hier ein befestigter gutshof stand. nach der normannischen eroberung ließ graf roger die anlage im 11. jh. in eine kirche umwandeln. noch heute erzählen die dicken steinmauern, der markante turm und alte fresken vom aufeinandertreffen arabischer und normannischer kultur.

von diesem ort der stille stammt auch der bis heute berühmte sizilianische „averna-likör“. anfang des 19. jh. entwickelten die mönche der abtei das geheime rezept für den kräuterbitter (ein elixier aus mediterranen kräutern, wurzeln und zitrusfrüchten, welches primär für gesundheitliche zwecke und den privaten gebrauch innerhalb des klosters genutzt wurde). im jahr 1854 übergab der mönch „frà girolamo“ die streng behütete rezeptur an den wohlhabenden textilhändler und großzügigen förderer des klosters „salvatore averna“.
die familie averna begann 1868 mit der handwerklichen herstellung des „amaro siciliano“ in kleinem rahmen, expandierte das geschäft laufend erfolgreich und baute den markt stetig weiter aus. seit 1978 ist averna marktführer in italien und noch heute wird der italienische magenbitter in der gemeinde caltanissetta nach dem traditionellen rezept von 1868 hergestellt.

caltanissetta liegt im hügeligen herzen siziliens und zeigte uns die ursprüngliche seite der insel. der name der stadt geht vermutlich auf das arabische „qal’at an-nisa“ zurück, die „burg der frauen“, und im historischen zentrum sind die arabischen spuren bis heute deutlich zu erkennen. bei unserem rundgang durch die altstadt besichtigten wir die barockkathedrale „santa maria la nova“, die reich verzierte kirche „sant’agata al collegio“ und die „chiesa di san sebastiano“, die bereits im jahr 1500 urkundlich erwähnt wurde.

auf der „piazza garibaldi“ sahen wir uns die „fontana del tritone“, mit ihrer markanten bronzeskulptur an, bevor wir durch das alte arabische viertel mit seinen „dammusi“ schlenderten (alte, teilweise in den felsen geschlagene häuser, die typischerweise im erdgeschoss eine werkstatt oder einen lagerraum hatten und im obergeschoss den wohnraum).

zum abschluss deckten wir uns am „strata ’a foglia“, dem historischen obst- und gemüsemarkt der stadt, mit lokalen produkten ein, ehe wir weiterfuhren.

unser nächstes ziel war die besichtigung des schwefelbergwerk-museums „trabia tallarita“. die mine ist in den 1830er jahren in betrieb genommen worden und beschäftigte auf ihrem höhepunkt im jahr 1920 3.000 menschen, die unter extrem harten bedingungen arbeiten mussten. diese einst größte schwefelmine europas wurde 1975 geschlossen und 2010 in ein museum umgewandelt.
am gelände sind originalgetreue förderanlagen, bergbau-ausrüstungen und waggons zu sehen, sowie eine mineraliensammlung in der alten kraftwerkzentrale („palladio“).
leider war aufgrund einer längeren stromstörung die besichtigung der interaktiven ausstellung „discendente“ (der abstieg), eine simulation des zugangs zu den schächten mit zwischenstopps an den stollen, die einen virtuellen eintritt in die mine bietet, nicht möglich, und so sahen wir uns die ausstellung „sulfaro e sulfatari“ (schwefel und schwefelarbeiter) über das leben in den minen an.

zum abschluss des tages besuchten wir die stadt „naro“, die malerisch auf einem hügel im hinterland von agrigent liegt und mit seinen engen gassen, steinernen palästen und vielen kirchen wie ein kleines freilichtmuseum wirkt.
über der stadt thront das mittelalterliche „castello di naro“ (auch als castello chiaramonte bekannt), dessen ursprünge bis in die zeit der arabischen herrschaft zurückreichen und das im 14. jh. von der „familie chiaramonte“, eine der mächtigsten, reichsten und einflussreichsten adligen dynastien siziliens, erweitert und ausgebaut wurde. heute ist das castello sehr baufällig und deshalb überwiegend gesperrt, so wie vieles in naro. die laufenden restaurierungsarbeiten konzentrieren sich auf die sicherung der erhaltenen strukturen, wobei einige ruinenteile bewusst sichtbar blieben, um die phasen des einsturzes und des verfalls besser zu erkennen.

unser quartier für die nächsten zwei tage haben wir am campingplatz „camping valle dei templi“ in villaggio mosè aufgeschlagen. dieser cp an siziliens südwestküste liegt sehr günstig, sodass wir die stadt „agrigent“ sowie „valle dei templi“ (das tal der tempel) mit dem öffentlichen bus in wenigen minuten erreichen konnten.
zeitig am morgen fuhren wir mit dem bus nach agrigent, wo wir den ganzen vormittag mit der besichtigung der altstadt verbrachten, einem labyrinth aus engen, mittelalterlich-arabischen gassen, steilen treppen und geschichtsträchtigen bauten.

unsere highlights waren – die „cattedrale di san gerlando“, die sich am höchsten punkt über der altstadt erhebt. sie wurde nach der normannischen eroberung siziliens im 11. jh. errichtet und dem heiligen gerlando, dem schutzpatron der stadt, geweiht. im laufe der jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut, weshalb sich heute normannische, gotische und barocke stilelemente miteinander verbinden. beeindruckend ist die kunstvoll bemalte holzbalkendecke, die kapelle des heiligen gerlando

und der weite blick über die dächer von agrigent bis hinunter zum meer.

die kathedrale beherbergt ein besonderes kunstwerk im saal der sarkophage, den „phaidra-sarkophag“ (auch bekannt als hippolytos-sarkophag) aus weißem marmor und mit einem extrem plastischen hochrelief (die figuren sind so tief und detailreich ausgearbeitet, dass sie sich fast vollständig vom hintergrund lösen).
die kunstvoll ausgearbeiteten szenen erzählen die tragische geschichte aus der griechischen mythologie – phädra verliebt sich in ihren stiefsohn hippolytos, doch dieser weist sie zurück. auf den reliefs sind u.a. die überbringung ihrer liebesbotschaft durch die amme; hippolytos mit seinen jagdgefährten und sein dramatischer tod dargestellt.

ein weiterer interessanter besuch war die „chiesa di santo spirito“ aus dem späten 13. jh.,

sowie das nebenan gelegene noch aktive kloster der zisterzienserinnen – die nonnen dieser 1299 gegründeten abtei sind berühmt für ihren traditionellen, süßen „couscous di san pietro“ (couscous mit pistatzien), ein dessert aus der arabischen küche, das sie mit vielen anderen süßen köstlichkeiten bis heute nach alten klosterrezepten zubereiten und verkaufen.

den nachmittag verbrachten wir im tal der tempel, und anders als der name vermuten lässt, nicht in einem tal, sondern auf einem langgezogenen höhenrücken südlich von agrigent. hier befand sich einst die antike griechische stadt akragas, die im 6. jh. v. chr. gegründet wurde und bald zu den reichsten und mächtigsten städten der „magna graecia“ („großgriechenland“ – bezeichnet das antike gebiet auf sizilien, das von griechischen kolonisten besiedelt wurde) zählte.

wir fuhren mit dem bus zum oberen, östlichen eingang, denn von dort mussten wir in der weitläufigen anlage nur mehr begab gehen 😉.
wir starteten beim „tempel der juno“ (auch tempel der hera lacinia, geweiht der griechischen göttin hera, der gemahlin des zeus), der am höchsten punkt des tempelhügels liegt und von wo wir einen herrlichen blick über die gesamte anlage hatten. dieses antike griechische heiligtum stammt aus der mitte des 5. jh. v. chr., ein klassischer dorischer tempel mit 6 säulen an den schmalseiten und 13 säulen an den längsseiten.

entlang der alten sogenannten „via sacra“ (heilige straße) gingen wir weiter zum „concordia-tempel“, dem wohl eindrucksvollsten und am besten erhaltenen griechischen tempel auf sizilien. er entstand im 5. jh. v. chr. und ist deshalb so gut erhalten, da er ab dem jahr 597 n. chr. als christliche basilika umgewandelt und genutzt wurde.

schließlich erreichten wir den „herakles-tempel“ aus dem späten 6. jh. v. chr., den ältesten der großen tempel der archäologischen stätte. von ihm stehen heute noch acht wiederaufgerichtete säulen, die erahnen lassen, wie mächtig dieser bau einst gewesen sein muss. ganz andere dimensionen hatte der „tempel des olympischen zeus“. er sollte nach dem sieg über die karthager errichtet werden, blieb jedoch unvollendet.

zwischen den tempeln entdeckten wir auch zahlreiche grabanlagen. besonders auffällig sind die frühchristlichen nekropolen aus dem 4. bis 7. jh. n. chr., für die ältere wasserzisternen und teile der antiken befestigungsmauer umgestaltet wurden. in den weichen fels schlug man nischenförmige arkosolgräber und kleine grabkammern, in denen mehrere verstorbene bestattet werden konnten. sie zeigen eindrucksvoll, dass das gelände auch lange nach dem ende der griechischen besiedelung genutzt wurde und über viele jahrhunderte hinweg ein bedeutender ort blieb.

nach so viel antiker geschichte zog es uns wieder ans meer. unser ziel war die „scala dei turchi“ („treppe der türken”), eine der bekanntesten naturattraktionen siziliens in der nähe von realmonte.
die klippenformation besteht aus weißem kalk-/mergelgestein und wind, regen und brandung haben den fels über viele jahrtausende geglättet und jene breiten, geschwungenen stufen geformt, die wie eine riesige natürliche treppe zum wasser hinabführen.
ihren namen verdankt sie vermutlich seeräubern und sarazenen (arabische und nordafrikanische piraten), die von den einheimischen früher pauschal „türken“ genannt wurden, und die die geschützte bucht im 16. jh. als ankerplatz und sicheren hafen für ihre raubzüge entlang der sizilianischen küste genutzt haben.

am nächsten tag besichtigten wir das „castello incantato“. anfangs dachten wir bei diesem namen an eine burg mit türmen und zinnen, wurden aber überrascht, denn das „verzauberte schloss“ ist ein außergewöhnlicher skulpturengarten und das lebenswerk des autodidakten „filippo bentivegna“. zwischen olivenbäumen, felsbrocken und kleinen wegen begegneten uns überall steinerne köpfe – manche kaum größer als eine faust, andere beinahe überlebensgroß.
filippo bentivegna wurde 1888 in sciacca geboren und kehrte nach einigen schwierigen jahren in amerika in seine heimat zurück. auf einem grundstück am fuß des monte kronio begann er, gesichter in steine, felswände und sogar in die stämme alter olivenbäume zu meißeln. über jahrzehnte erschuf er so sein eigenes stilles reich und soll sich selbst als dessen könig gesehen haben. heute wird sein eigenwilliges werk der „art brut“ zugerechnet – einer unmittelbaren kunst jenseits akademischer regeln.
wir spazierten durch diese seltsame welt aus unzähligen antlitzen, die uns aus mauern, bäumen und vom boden aus anzublicken schienen. eindrucksvoll war die „wand der köpfe“, an der sich ein gesicht an das nächste reiht.

castello incantato ist kein klassisch schöner ort, sondern rätselhaft, berührend und ein wenig unheimlich. ein verborgenes sizilianisches gesamtkunstwerk das es zu bersuchen lohnt.

im anschluss war es dann wieder einmal so weit, wir gönnten uns einen schönen entspannten abend in der „terme acqua pia“ in montevago. die anlage bietet große thermal-außenbecken und kleine wasserfälle bei einer konstanten temperatur von ca. 38°c bis 40°c und schwimmen ist bis 23:45 uhr möglich – das tut dem körper und der seele gut.

entspannt und ausgeruht widmeten wir uns am nächsten tag dem besuch des „archäologischen parks von selinunt“, ein ehemaliger handelsposten mit einem tempelbereich und einem marktplatz.selinunt, das antike selinous, wurde im 7. jh. v. chr. von griechischen siedlern gegründet und entwickelte sich dank seiner küstennahen lage zu einer wohlhabenden handelsstadt. im 6. und 5. jh. v. chr. entstanden gewaltige dorische tempel, die akropolis und die agora. 409 v. chr. wurde die stadt von den karthagern erobert und zerstört.
auf dem östlichen hügel beeindruckten uns der wiederaufgerichtete „tempel e“ und die mächtigen trümmer von „tempel g“. auf der akropolis vermittelten „tempel c“, alte straßenzüge und hausgrundrisse einen guten eindruck von der einstigen größe selinunts.

zum abschluss des tages verbrachten wir noch ein wenig zeit in „mazara del vallo“. einst einer der wichtigsten und bekanntesten fischereihäfen im mittelmeer und heimathafen einer flotte von rund 300 großen hochseefischereibooten mit über 3.000 besatzungsmitglieder von dem allerdings nichts mehr zu sehen ist.

nach dem stadtrundgang fanden wir einen schönen ruhigen stellplatz direkt an der promenade.

ehe wir die einladung zu einer weinverkostung des berühmten marsala weines annahmen, besuchten wir das „museo archeologico regionale lilibeo“ im baglio anselmi, einer ehemaligen marsala-weinkellerei am capo boeo.
dieses archäologische museum erzählt mit fundstücken aus phönizischer, punischer, römischer und frühchristlicher zeit die geschichte des antiken lilibeo.

höhepunkt ist das wrack eines punischen kriegsschiffes aus dem 3. jh. v. chr., dass vermutlich während des ersten punischen krieges sank. die erhaltenen holzteile mit ihren markierungen geben einen seltenen einblick in die damalige schiffbautechnik. auch amphoren, grabbeigaben und das spätrömische schiff von marausa machten den besuch sehr interessant.

im park des museums befindet sich die „chiesa san giovanni battista“ (auch „san giovanni al boeo“ genannt). diese schlichte kirche wurde 1555 von den jesuiten nahe der küste und dem archäologischen park von lilibeo errichtet. das besondere liegt jedoch unter ihr – die „grotta della sibilla“, eine in den fels gehauene kammer mit einer natürlichen süßwasserquelle. der überlieferung nach war sie die wohn- oder grabstätte der lilibetischen sibylle (prophetin, die götter und menschen verband). später wurde das wasser mit dem christlichen kult um johannes den täufer (san giovanni battista) verbunden.

so treffen an diesem stillen ort antike legenden und frühes christentum unmittelbar aufeinander.

der späte nachmittag war für eine marsala weinverkostung in der berühmten „cantine florio“ reserviert. die geschichte der cantine florio begann 1833, als „vincenzo florio“ die weitläufige kellerei direkt am meer errichten ließ. er war der erste italienische unternehmer, der sich gegen die damals führenden englischen marsala-häuser behauptete. mit kaufmännischem geschick, einer eigenen handelsflotte und einem internationalen vertriebsnetz machte die familie florio den „marsala“ weit über sizilien hinaus bekannt.
beeindruckt haben uns die vier langen, hohen hallen aus gelbem tuffstein mit ihren spitzbögen. in dieser fast kathedralenartigen atmosphäre lagern mehr als 3.000 fässer, bottiche und kleine holzgebinde aus eiche. insgesamt reifen hier rund sechs millionen liter marsala.

die nähe zum meer, die salzhaltige luft, die unterschiedlichen temperaturen in den einzelnen bereichen des kellers sowie zeit und sauerstoff beeinflussen die langsame reifung des weines. deshalb ist auch der standort eines fasses im keller ein wichtiger bestandteil der reifungprozesses.
wie genau entsteht also „marsala“? grundlage ist vor allem die sizilianische rebsorte grillo. nach der gärung wird der wein mit alkohol verstärkt und je nach gewünschtem stil kommen dabei weinalkohol, mistella oder eingekochter most zum einsatz. anschließend beginnt die lange reifezeit im holzfass. durch die verbindung von wein, alkohol, eiche, luft und den wechselnden klimatischen bedingungen entwickeln sich die unterschiedlichen marsala-typen – von trocken bis süß und von jung bis viele jahre gereift.

nach dem rundgang durch die kellerei haben wir verschiedene marsala-weine verkostet. dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich dieser dessert- und meditationswein schmecken kann. je nach ausbau zeigte er sich trocken oder süßer.

die verkostung war für uns ein stimmiger ausklang des besuches mit dem ergebnis – marsala wein mag man oder mag man nicht. ich persönlich mag ihn, ingrid mag ihn nicht.

unser abendlicher höhepunkt nahe marsala, war der besuch der „saline genna“ (erste zertifizierte bio-salzproduktionsstätte italiens), am rand der lagune dello stagnone, einem regionalen naturreservat.
vor uns lag eine stille, beinahe unwirkliche landschaft aus flachen wasserbecken, schmalen dämmen und weißen salzhügeln. je nach lichteinfall schimmerte das wasser silbern, rosa oder rötlich, und über allem lag der würzige geruch von meer und salz. seit dem 15. jh. bewahren hier die „curatoli“, die erfahrenen hüter der salinen, das traditionelle wissen um die gewinnung des „weißen goldes“.

während einer geführten tour erfuhren wir, wie langsam und sorgfältig die salzgewinnung abläuft. das meerwasser wird durch ein system miteinander verbundener becken geleitet. sonne und wind lassen das wasser nach und nach verdunsten, während die salzkonzentration immer weiter steigt. schließlich bilden sich in den kristallisationsbecken feste salzschichten, die während der ernte gelöst, zusammengeschoben und zu großen weißen bergen aufgetürmt werden. in dieser jahrhundertealten arbeitswelt wir auch heute noch alles von hand gemacht, ein perfektes zusammenspiel von natur und menschlicher arbeit. in den salinen wird aber nicht nur meersalz gewonnen, sie bilden zugleich einen wertvollen lebensraum für zahlreiche vogelarten.
im anschluss fuhren wir mit einem boot durch die kanäle der lagune und nutzten die gelegenheit, die verschiedenen inselchen wie mozia, santa maria, isola lunga und das kleine inselchen schola vom wasser aus zu betrachten.

als die sonne tiefer sank, spiegelte sich der himmel in den ruhigen becken und tauchte die ganze landschaft in ein warmes gold und rosa.

wir blieben noch eine ganze weile, genossen bei einem excellenten abendessen nicht nur die kulinarik des restaurants, sondern auch die besondere ruhe. jetzt verstanden wir noch besser, warum die saline genna zu den stimmungsvollsten orten an der westküste siziliens zählt.
auch die nacht verbrachten wir mit unserem cleverchen in dieser malerischen lagunenlandschaft beim rauschen des windes – einfach topp!

weiter ging es für uns über trapani nach eric und was wir da so alles erlebten ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin
alles liebe von den
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diverse stadtbesichtigungen entlang der südostküste siziliens und das berühmte bodenmosaik der „bikinimädchen“…

diverse stadtbesichtigungen entlang der südostküste siziliens und das berühmte bodenmosaik der „bikinimädchen“ waren unsere nächsten ziele.
während unserer chillphase machten wir natürlich auch einen tagesausflug – wir ließen das cleverchen auf dem campingplatz stehen, mieteten uns ein kleines auto und fuhren nach ragusa im monti iblei-bergland, wo wir in der historischen altstadt, „ragusa ibla“, einen ausgedehnten stadtbummel durch das gassenlabyrinth unternahmen.

am weg nach ragusa hielten wir auch beim „castello di donnafugata“ an. hierbei handelt es sich nicht um eine mittelalterliche burg, sondern um eine prächtige adelsresidenz aus dem späten 19. jh. mit rund 122 prunkvollen räumen und einem riesigen park.

ein teil des gebäudes, einschließlich des turms, stammt aus der mitte des 18. jh., aber der rest wurde etwa ein jahrhundert später von baron corrado arezzo de spuches erweitert. so ließ er z.b. die hauptfassade im neugotischen stil hinzufügen, mit einer schönen loggia und eleganten dreieckbögen, sowie prunkvolle empfangsräume, einen spiegelsaal und ein theater. castello di donnafugata war bis 1982 bewohnt, und nimmt eine fläche von über 2500 m² ein.

interessant ist auch der weitläufige park rund um das castello, mit seinen alten bäumen, steinfiguren, kleinen pavillons und künstlichen grotten. da kann man sich gut vorstellen, wie hier einst die adelige familie ihre sommer verbrachte.
die historische residenz beherbergt auch ein kostümmuseum, in dem antike kleider und accessoires ausgestellt sind – ein schöner ausflug in die vergangenheit.

weiter ging es nach „ragusa ibla“ und diese altstadt hat uns dann wirklich gleich in ihren bann gezogen. enge gassen, viele stufen, alte häuser, barocke palazzi und immer wieder kleine versteckte plätze, wo besonders viel sizilianisches flair zu spüren war. ein bisschen staunen, ein bisschen fotografieren, ein bisschen treiben lassen und zwischendurch auch immer wieder kleine pausen einlegen – so mögen wir stadtbesichtigungen.

der „palazzo arezzo di trifiletti“, die “chiesa delle santissime anime del purgatorio”,

der “duomo di san giorgio”,

der „palazzo la rocca”, der „corso XXV aprile“, die „piazza pola“, das „portale di san giorgio ”, sind nur einige orte, die wir im laufe des tages besichtigten.

nach mehr als zwei wochen chillen, inkl. einer stadtbesichtigung, war es dann wieder so weit. wir verließen den campingplatz in punta braccetto und machten uns auf den weg in richtung der kleinen stadt „piazza armerina“. ganz unseren reisegewohnheiten entsprechend befanden sich auch noch einige zwischenstopps auf dieser route. der erste war in caltagirone, wo wir den „cimitero monumentale di caltagirone“ besuchten.
dieser friedhof wird auch „cimitero del paradiso“ genannt, und dieser name passt wirklich irgendwie zu diesem besonderen ort. erbaut wurde die monumentale anlage in der zweiten hälfte des 19. jh. und wurde 1931 zum nationaldenkmal erklärt.
wir haben schon einige ungewöhnliche friedhöfe gesehen, aber dieser hier ist wieder ganz anders. keine düstere stimmung, sondern eher das gefühl, durch ein stilles freilichtmuseum zu gehen.

die anlage ist streng gegliedert, mit einem quadratischen grundriss und einer kreuzform im inneren. lange arkadengänge ziehen sich durch den friedhof, eine reihe von bögen neben der anderen, und überall entdeckt man kleine details: säulen, kapitäle, schmuckformen, alte grabinschriften, sowie kunstvoll gestaltete kapellen.
interresant ist auch die mischung der verwendeten materialien. hier trifft helle steinarchitektur auf dunkle lavasteine und auf terrakotta, und man merkt, dass hier nicht einfach nur ein ort der bestattung geschaffen wurde, sondern ein architektonisches gesamtkunstwerk.
manche kapellen wirkten fast wie kleine häuser, andere wie miniatur-palazzi, wieder andere schlicht und ruhig. dazwischen engel, kreuze, verwitterte namen und diese besondere stille, die solche orte mit sich bringen. es war kein langer besuch, aber einer, der uns mehr beeindruckte als erwartet.

vom friedhof war es nicht weit in das zentrum von „caltagiron“ und so machten wir noch einen kleinen stadtbummel.

eine stadt mit engen gassen, hellen fassaden, kleinen plätzen und den berühmten keramiken von caltagirone an allen ecken.
kaum waren wir im zentrum, sahen wir schon die ersten bunten teller, vasen, kacheln und kleinen kunstwerke vor den geschäften ausgestellt. hier ist keramik nicht nur ein souvenir, sondern einfach ein teil der stadt.

die berühmte „scalinata di santa maria del monte“ ist ein besonderes highlight und gilt auch als das wahrzeichen der stadt. diese lange treppe mit 142 stufen, ist mit einzigartigen, handbemalten majolika-keramikfliesen verkleidet, die traditionelle motive zeigen, und beim hinaufschauen wirkt sie wie ein keramikband, das sich mitten durch die stadt zieht und die historische unterstadt mit der kirche santa maria del monte am oberen ende verbindet.

im keramikmuseum „museo regionale della ceramica“ staunten wir über die handwerkliche kunst aus früheren zeiten. die sammlung mit mehr als 2.500 exponaten zeigt keramik aus vielen epochen, von sehr alten fundstücken bis zu kunstvoll bemalten tellern, krügen, fliesen und figuren aus späteren jahrhunderten. interessant war für uns, dass man die entwicklung dieses handwerks richtig nachvollziehen kann: einfache formen, religiöse motive, dekorative alltagsgegenstände und dann wieder prunkvolle stücke, bei denen man sofort sieht, wie viel geduld und können dahintersteckt.

außerdem erfuhren wir in einem der zahlreichen kunsthandwerksläden mehr über die legende des „testa di moro“. die legende besagt, dass um das jahr 1100, während der arabischen herrschaft in sizilien, in palermo ein wunderschönes mädchen lebte, das sich gerne selbst um ihre pflanzen auf dem balkon kümmerte. eines morgens sah sie ein junger moro (damit ist hier ein araber gemeint), der von ihr bezaubert war und ihr seine glühende liebe erklärte, die das mädchen erwiderte.
aber die leidenschaft verwandelte sich in wut, als sie herausfand, dass ihr geliebter sie bald verlassen würde, um zu seiner frau in den orient zurückzukehren. das mädchen wartete auf die nacht und sobald der maure eingeschlafen war, schnitt sie ihm den kopf ab und machte daraus ein gefäß, in dem sie ihr basilikum züchten konnte: auf diese weise konnte er sie nicht mehr verlassen. so entstand die tradition, vasen in form des kopfes eines mauren zu verwenden, zu denen im laufe der zeit auch vasen mit weiblichen gesichtszügen hinzukamen.

nach diesem stadtbummel war klar: „caltagirone“ ist nicht nur wegen seines monumentalen friedhofs einen stopp wert, die stadt gibt auch einblick in historische keramikwerkstätten und moderne ateliers, die tradition mit neuen kreativen design verbinden.

unser nächster stopp galt einer verlassenen arbeitersiedlung, „borgo baccarato“, einer der zahlreichen lost places auf sizilien. der kleine ort liegt in der provinz enna und wirkt heute fast wie eine filmkulisse, entstanden in den 1950er-jahren im umfeld der damaligen landreform und der schwefelmine baccarato. geplant war hier kein richtiges dorf im klassischen sinn, sondern eher ein kleiner versorgungsort für die menschen und arbeiter der gegend, mit kirche, schule, post, ambulatorium, wohnungen, handwerksräumen und einer trattoria.
als die mine in den 1970er-jahren ihren betrieb einstellte, verlor der ort praktisch seine grundlage. dazu kam die allgemeine abwanderung aus den ländlichen gegenden siziliens, viele menschen suchten arbeit im norden italiens oder im ausland. ohne mine, ohne wirtschaftliche perspektive und mit immer weniger bewohnern wurde „borgo baccarato“ schließlich aufgegeben. später gab es zwar immer wieder ideen zur wiederbelebung, doch wirklich zurück ins leben gefunden hat der kleine ort nicht mehr.
heute stehen dort die leeren gebäude, teils noch gut erkennbar, teils schon stark vom verfall gezeichnet. gerade diese mischung aus geplanter siedlung, verlassenem alltagsort und sizilianischer landschaft machte den stopp für uns so interessant. man geht ein paar schritte durch den verlassenen ort und kann sich trotzdem gut vorstellen, wie hier früher einmal kinder zur schule gingen, arbeiter zu ihrer tätigkeit in die mine aufbrachen und wie sich das leben rund um die kleine piazza abgespielt haben muss. ein stiller, etwas melancholischer ort.

schließlich erreichten wir die „villa romana del casale“, ein paar kilometer außerhalb der stadt piazza armerina, mit dem berühmten bodenmosaik der „bikinimädchen“.
die villa wurde vermutlich im späten 3. oder frühen 4. jh. n. chr. als luxuriöser landsitz eines sehr reichen römischen grundbesitzers oder hohen beamten erbaut – wer genau der besitzer war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, aber eines ist sofort klar: arm war der herr sicher nicht.

die anlage ist riesig und man bewegt sich heute über erhöhte stege durch die einzelnen räume. unter einem liegen dabei mosaike, mosaike und noch mehr mosaike – angeblich über 3.500 m², und viele davon sind erstaunlich gut erhalten. das ist beeindruckend, denn man schaut nicht einfach nur auf alte steine, sondern auf unterschiedlichste bildgeschichten: jagdszenen, tiere, mythologische figuren, alltagsszenen und geometrische muster. besonders hervorzuheben ist der lange korridor der „großen jagd“, auf dem exotische tiere gefangen und transportiert werden. löwen, elefanten, tiger und andere tiere ziehen sich über viele meter dahin und zeigen, welchen weltweiten anspruch und reichtum der damalige besitzer wohl demonstrieren wollte.

und dann natürlich die „bikinimädchen“. eigentlich handelt es sich um junge sportlerinnen, die in knapper zweiteiliger sportkleidung verschiedene übungen machen – laufen, ballspielen, gewichtheben oder sich mit einem siegeskranz zeigen. weil diese darstellung aber so modern wirkt, hat sie ihren heutigen spitznamen bekommen. man steht davor und denkt unweigerlich – moment einmal, das soll über 1.700 jahre alt sein?

 

was uns gefallen hat, die „villa romana del casale“ ist nicht einfach eine archäologische stätte, sondern ein rundgang durch die antike siziliens. jeder raum erzählt etwas anderes – einmal geht es um macht und jagd, dann wieder um badekultur und sportliche ereignisse – präsentiert in hallen, empfangsräume, speisesäle und privaten bereichen des riesigen anwesens.
vieles wurde über jahrhunderte durch erdrutsche und schlammschichten bedeckt und dadurch paradoxerweise geschützt. erst durch die ausgrabungen im 20. jh. kam diese pracht wieder zum vorschein.

ein tipp von uns: wir waren zur abendbesichtigung vor ort, denn untertags ist es hier einfach zu überlaufen – wir waren ganz alleine. anscheinend kennen nur wenige diesen vorteil: leerer kostenloser parkplatz und nur halber eintrittspreis.

weiter ging es für uns in richtung villaggio mosè, einem vorort der stadt agrigent, und was wir da so alles erlebten ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin

alles liebe von den
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catania – syrakus und die nekropole von pantalica …

…catania & syrakus, bedeutende historische städte mit antiken wurzeln, und die nekropole von pantalica waren unsere nächsten ziele auf unserer sizilienrunde.

begonnen haben wir den nächsten reiseabschnitt in catania, am fuße des ätna. die stadt hat uns gleich mit dieser ganz eigenen mischung empfangen, die man wahrscheinlich nur auf sizilien findet: ein bisschen laut, ein bisschen chaotisch, aber vom ersten moment an voller energie und leben. zwischen dunklem lavasteinbauten, hupenden motorrollern, barocken fassaden und kleinen cafés, waren wir schnell mittendrin im catanesischen alltag.
unser weg führte uns in das herz der stadt. dort steht der berühmte elefantenbrunnen, das wahrzeichen catanias, und rundherum zeigt sich die stadt von ihrer barocken seite. besonders beeindruckend ist, wie viel schwarzer lavastein hier verbaut wurde – der ätna ist also nicht nur als mächtiger vulkan im hintergrund präsent, sondern steckt irgendwie in der ganzen stadt.

da es in catania sehr viel zu sehen und erleben gibt, kann man gar nicht auf wirklich jedes einzelne highlight eingehen. wir haben uns während unserer zwei stadtbesichtigungstage folgendes angesehen:
piazza del duomo (zentrum der barocken altstadt) – cattedrale di sant’agata & diözesanmuseum – terme achilliane (unterirdischer römischer thermenkomplex) – palazzo degli elefanti & fontana dell’elefante (wahrzeichen der stadt) – chiesa della badia di sant’agata (gegenüber der kathedrale von catania, und ebenso der stadtpatronin, der heiligen agatha von catania, gewidmet).
via crociferi (barocke prachtstraße) – römisches theater (ruine eines amphitheaters aus dem 2. jh. mit stufenweise ansteigenden sitzreihen und einem orchestergraben) – piazza dell’universita & palazzo dell’universita (beherbergt die alte bibliothek) – amphitheater (versunkene ruinen eines großen, um 300 v. chr. Erbauten, römischen amphitheaters) – pasticceria savia (historische institution, gegründet 1897, die u.a. das typisch sizilianische pistazieneis hat) – castello ursino (eine im 13. jh. von kaiser friedrich II. errichtete burg aus schwarzem lavagestein, leider derzeit nur von außen zu besichtigen).

natürlich tauchten wir auch in den historischen fischmarkt von catania ein, „la pescheria“. was für ein schauspiel! da wurde lautstark gerufen, verhandelt, gelacht, fisch filetiert, verkostet und verkauft – schwertfisch, thunfisch, wolfsbarsch, dorade, sardinen und sardellen, muscheln, garnelen und alles, was das ionische meer sonst noch hergibt. für uns war das weniger ein marktbesuch, als vielmehr ein kleiner einblick in das echte, unverstellte sizilien.

wer die kulinarische seite in catania erleben und erschmecken möchte, hat viele gelegenheiten dazu. ein besuch des restaurants „nuova trattoria del forestiero“, das nicht nur von prominenten gästen besucht wird, sondern vor allem von liebhabern der „pasta alla norma“ (nudelgericht mit tomatensauce, frittierten auberginen, ricotta und frischem basilikum), ist ein tipp von uns.
alles frisch gemacht, keine dosen pomodore, und davon konnten konnten wir uns in „nonna rosanna´s küche“ selbst überzeugen 😊

 

aber auch arancini, die gefüllten reisbällchen, sollte man in catania probieren – spitz bzw. kegelförmig geformt, was an den ätna erinnern soll („a punta“) – mit typischen füllungen wie z.b. faschiertes, erbsen, tomatensauce oder schinken, mozzarella, bechamel oder auberginen, ricotta, basilikum.
einfach mit den fingern essen, reinbeißen und genießen, so schmeckten sie für uns in dieser stadt besser als anderswo 😉

in der nähe des fischmarktes, aber auch im historischen rotlichtviertel „san berillo“, gibt es zahlreiche straßenlokale (tavola calda), wo man ausgezeichnet essen kann,

ehe man das stadtzentrum mit einem blick auf den fontana dell’amenano (weißer marmorbrunnen mit mythischen figuren aus dem jahr 1867, der den unterirdischen fluss amenano symbolisiert) verlässt.

ein für uns sehr interessanter besuch, im gegensatz zu den bekannten massenattraktionen der stadt, war die werkstatt und das theater „antica bottega del puparo“ der familie napoli (via reitano 55).
hier wird die alte kunst der sizilianischen marionetten, der berühmten „opera dei pupi“, bis heute lebendig gehalten. gegründet wurde die marionettenkompanie der familie napoli im jahr 1921, und seither wird das handwerk von generation zu generation weitergegeben.
in der werkstatt konnten wir nicht nur die kunstvoll gearbeiteten pupi mit ihren rüstungen, schwertern und bemalten gesichtern bestaunen, sondern bekamen auch ein gefühl dafür, wie viel geduld, tradition und handarbeit in jeder einzelnen figur steckt. wenn man so eine figur einmal heben darf, merkt man wieviel gewicht diese puppen haben und diese muss man eine ganze vorstellung lang elegant bewegen – sehr anstrengend.hier wird noch alles, wirklich alles, von hand selbst gemacht. die herstellung von catania-puppen umfasst nämlich eine komplexe reihe von fertigkeiten, die vom schnitzen der büstenteile über die skulptur und bemalung des kopfes bis hin zur verarbeitung der rüstung und zur schneiderei reichen.

 

besonders schön fanden wir, dass dies kein gewöhnliches museum ist, sondern ein ort, an dem eine alte catanesische erzähl- und theatertradition weiterlebt. ein tolles erlebnis, vielen dank an die familie napoli für diese einführung in die traditionelle kunst der sizilianischen marionetten, und eine klare empfehlung an alle kulturreisenden und kunstliebhaber (absprache/anmeldung für führungen ist empfohlen).

später schlenderten wir noch die via etnea entlang, die knapp 3 km lange hauptstraße, immer wieder mit blick richtung ätna, der über allem zu wachen scheint. dazu eine granita (traditionelle, halbgefrorene sizilianische süßspeise), ein espresso und ein bisschen zeit zum schauen – mehr brauchte es eigentlich nicht, um in catania anzukommen.

genächtigt haben wir ca. 3,5 km außerhalb von catania, am campingplatz „campeggio jonio“, wo wir nicht nur alle sanitäreinrichtungen in sehr sauberen zustand vorfanden, sondern auch einen schönen, nicht beengenden stellplatz bekamen. der cp ist absolut empfehlenswert, denn das stadtzentrum catania erreicht man bequem mit dem nahe gelegenen bus in kurzer zeit und spart somit die parkplatzsuche – wirklich sehr praktisch.

mit vielen tollen eindrücken verließen wir catania und fuhren in das nicht weit entfernte syrakus, eine weitere stadt die eine faszinierende antike und mittelalterliche geschichte bietet.

am ersten tag war ein stadtrundgang durch ortigia (altstadt von syrakus) an der reihe:
ponte santa lucia mit der „statue des archimedes“

– apollontempel (ältestes dorische bauwerk siziliens, das zu beginn des 6. jh. erbaut wurde)

– alter markt von ortigia (entlang der via emmanuele de benedictis, als überdachter markt konzipiert)

– zwischenstopp bei „fratelli burgio“ (eine institution in syrakus mit zahlreichen sizilianische spezialitäten)

– corso giacomo matteotti (elegante einkaufsstraße) – fontana di diana

– duomo di siracusa (oder cattedrale di santa maria delle colonne; der bau integriert die säulen eines antiken athene-tempels aus dem 5. jh. v. chr.)

– chiesa di santa lucia alla badia (barockkirche mit boden aus bemalten keramikfliesen und einer kopie des berühmten gemäldes „begräbnis der hl. lucia“, das einem schüler des italienischen malers caravaggios zugeschrieben wird) – spiaggia di cala rossa (kieselstein-badebucht eingebettet zwischen den historischen mauern von syrakus).

der zweite tag begann mit einem besuch im archäologischen bereich von syrakus, des „parco archeologico della neapolis“ und wir besichtigten:
griechisches theater (eines der größten antiken theater, erbaut im 5. jh. v. chr.) & grotta del ninfeo (nymphenhöhle, eine künstliche höhle mit einer gewölbedecke und einer rechteckigen wanne, in der wasser eines antiken griechischen aquädukts sich sammelte, bevor es in das hydraulische system des theaters floss). nekropole grotticelle (antike grabstätte, die aus in den fels gehauenen grabkammern und höhlengräbern besteht)

latomia del paradiso (antike steinbrüche, die heute eine üppige vegetation aufweisen und als „garten des paradieses“ bekannt sind), mit dem ohr des dionysios (65 m lange, künstliche in den felsen gehauene grotte mit beeindruckender akustik)

& der seilergrotte (verdankt ihren namen den seilern, die dort aufgrund der feuchten luft jahrhundertelang hanfseile herstellten)

altar des hieron II (war könig von syrakus und beauftragte vermutlich den bau des monumentalen großaltars aus dem 3. jh. v. chr. mit einer länge von 200 m).

im anschluss besuchten wir den nebenan gelegenen „tecnoparco museo di archimede open-air-museum“, wo anhand von nachbildungen von archimedes‘ erfindungen die wissenschaftlichen prinzipien sowie seine entwickelten physikalischen und komplexen konzepte hinter seiner arbeit (z.b. hebel, flaschenzüge und hydraulik) veranschaulicht werden und besser zu verstehen sind.

sehr informativ und eine interaktive erfahrung, die die erfindungen des berühmten antiken griechischen mathematikers und physikers archimedes auf ansprechende weise erklärt und zugänglich macht.

letzter tagespunkt waren die „catacombs of san giovanni“, in der neustadt von syrakus, die sich unter der ruine der „basilika san giovanni evangelista“ befinden. sie gehören zu den beeindruckendsten unterirdischen orten von syrakus und nach denen in rom zu den größten und bedeutendsten frühchristlichen grabanlagen italiens. schon der eingang bei der alten basilika wirkte besonders auf uns – oben die reste der kirche, unten ein weit verzweigtes labyrinth aus gängen, nischen und ehemaligen grabkammern. die katakomben entstanden ab dem 4. jh. und wurden von der frühen christlichen gemeinde als großer friedhof genutzt. interessant ist auch, dass die anlage teilweise entlang eines alten griechischen aquädukts angelegt wurde. dadurch wirkt sie geordneter als viele andere katakomben, mit einer hauptgalerie, von der mehrere seitengänge abzweigen.

bei unserem rundgang war es überraschend still und kühl. links und rechts der gänge sieht man unzählige loculi, also einfache grabnischen, daneben aber auch größere arcosolien und rundräume, die einst bedeutenderen familien oder personen vorbehalten waren. während man durch die gedämpft beleuchteten gänge geht, bekommt man ein gefühl dafür, wie groß und wichtig die christliche gemeinde von syrakus schon in der spätantike gewesen sein muss.

für uns war dieser besuch ein eindrucksvoller kontrast zum hellen, lebhaften ortigia – oben sizilianische sonne und straßenlärm, unten eine stille welt aus stein, geschichte und vergangenem leben.

die „santuario della madonna delle lacrime“, die größte wallfahrtskirche auf sizilien, ist eine markante moderne kirche mit 16 kapellen und einer statue der jungfrau maria, die einst tränen vergossen haben soll. da sie leider bereits geschlossen hatte, konnten wir das mächtige bauwerk nur von außen fotografieren – wirklich schade.

von syrakus führte uns unsere reiseroute in das naturschutzgebiet „cavagrande del cassibile“ (oft als der „grand canyon siziliens“ bezeichnet), wandern war angesagt.
schon beim ersten blick vom plateau hinunter in die schlucht war klar, das wird kein gewöhnlicher spaziergang. tief unter uns schlängelte sich der cassibile durch die felslandschaft, eingerahmt von steilen kalksteinwänden, grünem buschwerk und kleinen, hell schimmernden wasserbecken.
also wanderschuhe geschnürt, badesachen und trinkwasser eingepackt und los ging es hinunter in den eindrucksvollen canyon. der abstieg war stellenweise steil, steinig und staubig, aber mit jeder kurve wurde die landschaft beeindruckender und irgendwann hörte man von unten das rauschen des wassers.

unten angekommen standen wir in einer ganz anderen welt: glatte felsen, kleine wasserfälle und diese herrlich klaren laghetti, in denen sich das licht türkisgrün spiegelte. nach der hitze des abstiegs war das kühle wasser natürlich die perfekte belohnung – zuerst nur die füße hinein, dann doch ein bisschen mehr, weil man dieser erfrischung einfach nicht widerstehen konnte.

wir saßen noch eine weile auf den warmen steinen, hörten dem wasser zu und waren uns einig – solche orte sind der grund, warum man auf reisen manchmal kleine umwege machen muss.

der rückweg auf der rundwanderung aus dem canyon war dann allerdings weniger romantisch. die sonne stand viel höher, der pfad war steiler und jeder schritt erinnerte uns daran, dass man alles, was man hinuntergeht, auch wieder hinauf muss.
oben am aussichtspunkt angekommen, verschwitzt und müde, aber zufrieden, war sofort klar: diese wanderung hat sich mehr als gelohnt. „cavagrande del cassibile“ war für uns ein kleines sizilianisches naturabenteuer zwischen beeindruckender schlucht, naturbelassenen badestellen und ganz viel wow-gefühl.

tagesendziel war das „pantalica informations center“, wo wir einen ruhigen und sicheren platz für die nacht gefunden haben.

gleich am nächsten morgen fuhren wir mit unserem cleverchen die kurze strecke zum parkplatz beim west-eingang (sortino) des naturschutzgebietes, von dem aus ein shuttle-bus uns zum eigentlichen startpunkt unserer „nekropole von pantalica-wanderung“ brachte.

die landschaft ist gewaltig – tiefe schluchten, steile kalksteinwände, viel grün und dazwischen immer wieder diese dunklen, rechteckigen öffnungen im fels. es sind tausende von grabkammern, die hier zwischen dem 13. und 7. jh. v. chr. in den stein geschlagen wurden. aus der ferne wirken sie fast wie ein bienenstock aus vergangener zeit.
unsere wanderung führte uns entlang schmaler pfade durch die wilde felslandschaft. immer wieder blieben wir stehen, weil man gar nicht wusste, wohin man zuerst schauen sollte – hinunter ins anapo-tal, hinüber zu den felswänden oder direkt auf die alten gräber, die teils hoch über uns in den felsen lagen.

pantalica war bereits lange vor der griechischen besiedlung siziliens ein bedeutender ort der sikuler. die menschen nutzten das hochplateau, das durch die schluchten der flüsse anapo und calcinara natürlich geschützt war. von ihrer siedlung ist kaum noch etwas erhalten, aber die riesige nekropole erzählt bis heute von dieser frühen kultur, die an die frühere bedeutung dieses ortes erinnert. später, in byzantinischer zeit, wurden manche höhlen nochmals als wohnräume oder kleine felsenkirchen genutzt.

für uns war pantalica einer dieser orte, an denen sich natur und geschichte wunderbar verbinden. ein ort den man nicht nur besichtigt, sondern einer, den man sich schritt für schritt erwandert.

unser nächstes ziel war punta braccetto in der provinz ragusa. strandurlaub abseits der großen touristenmassen, wo wir uns für die nächsten 16 tage am campingplatz „scarabeo camping“ gemütlich einrichteten.

eigentlich stand nur chillen auf unserem programm, aber was wir da so alles erlebten und wie es weiterging ist eine andere geschichte, über die wir noch berichten werden. bis dahin

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unsere ersten tage auf sizilien…

unsere ersten tage auf sizilien. nachdem wir das italienische festland vorübergehend verlassen haben, und mit der fähre gut und schnell in messina angekommen waren, routeten wir unsere ersten tage auf sizilien ganz klassisch – taormina – alcantara-flusstal – ätna – catania.
in taormina ging es von der „porta messina“ (nördlicher stadteingang) zur „piazza vittorio emanuele II (auch bekannt als „piazza badia“, der früher als römisches forum diente)“ und an der „chiesa di santa caterina d’alessandria“ vorbei (eine wunderschöne barockkirche aus dem 17. jh.). von hier aus schlenderten wir durch die schmalen gassen in richtung des „antiken griechisch-römischen theaters“ (erbaut im 3. jh. v. chr. und von den römern erweitert, bot es platz für bis zu 10.000 zuschauer und wird heute noch für konzerte und festivals genutzt).

danach schlenderten wir entlang des „corso umberto“ (belebte haupteinkaufsstraße taorminas) zur „piazza IX aprile“, mit einem der schönsten aussichtspunkte auf die küste von giardini naxos und einem imposanten ätna-blick. hier steht auch die malerische „chiesa di san giuseppe“, mit ihrer barocken fassade (der bau geht auf das späte 16. und frühe 17. jh. zurück und die kirche war sitz der “bruderschaft der seelen im fegefeuer” – daher finden sich sowohl innen als auch außen zahlreiche dekorationselemente, die menschliche figuren inmitten von flammen darstellen).
der „duomo di taormina“ (auch bekannt als „kathedrale von taormina“), wirkt von außen fast wie eine festung, mit zwei korinthischen säulen an jeder seite des haupteingangs, aber im inneren offenbart sich ihre erhabene schönheit.
davor befindet sich der „fontana di piazza duomo“ (1635 erbauter barocker marmorspringbrunnen mit fabelwesen) und um die ecke liegt die „porta catania“ (südlicher stadteingang).
ein sehr schöner stadtspaziergang, bei dem wir uns eher treiben ließen, und auch zeit für die sizilianische küche und natürlich ein herrliches gelatto fanden.

von taormina führte uns unser weg richtung „castiglione di sicilia“, wobei wir einen tollen, sehr lehrreichen tag mit dem zertifizierten wander- und flussguide „francesco“ von „sicily green adventures“ und unserem historic guide „attila“ verbrachten.
als erstes war die alcantara-schlucht (gole dell’alcantara) an der reihe – frühzeitig, ehe die massen von touristen die schlucht besuchten. „flusstrekking in der alcantara-schlucht“, d.h. flussaufwärts durch das klare, kalte wasser mit kleinen stromschnellen und sehr gut ausgerüstet mit wasserdichter wat-/fischerhose mit stiefel sowie helm. während der trekking tour erfuhren wir wie und warum diese beeindruckende bis zu 25 meter tiefe und an manchen stellen nur drei/vier meter schmale lavaschlucht entstanden ist.
dieser entstehungsprozess begann vor tausenden von jahren mit vulkanischen aktivitäten, als zähflüssige basaltische lava auf das eisige wasser des flusses traf, sich zusammenzog, kristallisierte und durch die schnelle abkühlung die faszinierende entstehung der prismischen, fünf- und sechseckigen säulen (säulenbasalt) ermöglichte.
auf grund des derzeit niedrigen wasserstandes konnten wir weit in die schlucht hineingehen.

nachdem sich „francesco“ von uns verabschiedet hatte, zeigte uns „attila“ einige schöne stellen,

aber unter anderem eine nicht unbedingt schöne stelle, an der man ersehen kann, was die „lieben menschen“ so alles in den fluss werfen und was bei hohem wasserstand und sturzfluten wieder angeschwemmt wird und sich sammelt – na ja, man kann es als kleines kunstwerk der naturkräfte betrachten, aber es macht uns auch immer wieder sehr nachdenklich.

insgesamt betrachtet, ein außergewöhnliches naturerlebnis, machbar für alle altersgruppen ohne zwingender spezifischer vorkenntnisse, das wir absolut empfehlen können.

„attila“ hat ein ungeheures geologisches wissen und kennt die geschichte des alcantara-flusstals (valle dell‘ alcantara). am nachmittag besuchten wir mit ihm gemeinsam plätze, wo touristen nicht mehr so leicht hinkommen, wie z.b. „gurne alcantara“

(wasserbecken und bewässerungskanäle die früher die wassermühlen

entlang des flusses alcantara antrieben) und den „alcantara wasserfall“ und das „alte wasserkraftwerk“.

wir fuhren mit ihm und seinem „grünen panda“ in das historische, mittelalterliche dorf castiglione di sicilia

mit dem „castello di lauria“, das auf einem sandsteinfelsen thront und einen 360-grad-rundumblick auf das gesamte alcantara-flusstal bietet,

und schauten bei der „cuba of santa domenica“ vorbei – ein vergessener zeuge einer anderen zeit, wo sich verschiedene einflüsse begegnen: byzantinische, arabisch-normannische und ländlich-sizilianische elemente scheinen sich hier in der architektur zu vermischen. geschichte, die leise in der landschaft weiterlebt.

zum abschluss des tages machten wir einen letzten stopp bei attila´s großer leidenschaft, dem „settevoci project“, an dem er seit beginn aktiv mitarbeitet. dieses projekt ist eine gemeinnützige initiative zur kulturellen und ökologischen wiederbelebung des alcantara-flusstals. ausgehend von einem alten gebäude aus dem 19. jh. entstand dort ein gemeinschaftsort, an dem kunst, bildung, nachhaltigkeit und landschaftsschutz miteinander verbunden werden. die vereinigung organisiert kulturelle veranstaltungen, workshops, pädagogische aktivitäten und künstlerische darbietungen. außerdem beschäftigt sie sich mit ökologischen themen wie permakultur, der pflege der umgebung, der wiederverwertung vorhandener ressourcen und der herstellung eigener produkte aus lokalen, möglichst naturbelassenen zutaten. so ist settevoci nicht nur ein ort, sondern auch ein beispiel dafür, wie in ländlichen regionen gemeinschaft, kreativität und verantwortung für die natur praktisch gelebt werden können. ein absolut interessantes und sehenswertes projekt.

nach einer ruhigen nacht mit einem versteckten stellplatz,ging es am morgen richtung berg – ja auf den ätna.
am weg zum „rifugio sapienza“ (schutzhütte auf 1.910 meter höhe, an der südseite des vulkans, und direkt neben der talstation der seilbahn) machten wir einen kurzen halt bei der „red big bench #200“ – eine riesige rote sitzbank mit herrlichem ausblick.

ein weiterer stopp war bei der „favazza etna winery“, wo wir an einer geführten „wine safari inkl. wine tasting“ teilnahmen. empfangen wurden wir mit einem vorzüglichen frühstück, ehe es mit unserem guide zu einer 4×4 tour los ging. leider schlug das wetter komplett um und wir konnten nicht alles besuchen, was ursprünglich auf dem programm stand. nichtsdestotrotz erklärte uns unser guide „francesco“ die gegend sehr genau, als wir durch das private areal am ätna fuhren – eine beeindruckende landschaft mit uralten bäumen und unberührter wildnis, lavahöhlen, historischen lavafeldern und spektakulären aussichtspunkten. am ende mussten wir wegen des starken regens samt hagel doch abbrechen.

zurück in der winery, und nachdem wir wieder ein wenig aufgetrocknet waren, begann unsere weinprobe, gepaart mit traditionellen sizilianischen hausgemachtem brot, wurst und käse. vier ausgezeichnete ätna-weine standen uns zur verfügung, wobei der „favazza diatrema etna bianco doc 2023“, ein cuvée aus den autochthonen (heimischen) rebsorten carricante und catarratto lucido, unseren geschmack am besten traf. zwischen den einzelnen verkostungsgängen erhielten wir viele interessante informationen rund um den anbau der trauben in bezug auf die anbauhöhe, die großen temperaturschwankungen, die mineralhaltigen vulkanischen böden sowie den herstellungsprozess des weins. unser besuch war ein tolles erlebnis, vielen dank!

nach dem besuch der weinkellerlei ging es nur mehr bergauf, bis zum großen ätna-parkplatz, wo wir einen geeigneten stellplatz vis-à-vis vom „ristorante la cantoniera etna“ fanden. Das wetter hatte sich deutlich gebessert und so entschieden wir uns für noch einen ausgedehnten spaziergang rund um den „silvestri-krater“ (einer der etwa 400 nebenkrater der sich 1892 gebildet hat).

wieder zurück bei unserem stellplatz machten wir noch einige luftaufnahmen, ehe wir uns mit der vorfreude auf den nächsten tag zur ruhe begaben.

nach einer ruhigen, angenehmen nacht ging es zu fuss zur „funivia dell‘ etna“, der einzigen seilbahn am ätna, von wo aus wir die „tour 3.000“ starteten. das seilbahnunternehmen selbst ist insofern bewundernswert, da die eigentümer, die familie russo morosoli, unbeirrbar an dessen zukunft glauben, obwohl die anlage bereits mehrmals von vulkanausbrüchen teil- bzw. vollständig zerstört wurde (das letzte mal 2002, nur eine woche vor der einweihung) und trotzdem immer wieder neu aufgebaut wurde.
die „tour 3.000“ begann mit der seilbahn bei der talstation, die uns von 1.923 m höhe zur oberen station auf 2.500 m brachte. dabei sieht man erloschene krater und bei schönwetter bis zur mehr als 100 km entfernten ostküste siziliens.

von hier aus fuhren wir mit einem speziellen 4X4-bus weiter, um die von den behörden erlaubte maximale höhe zu erreichen, die derzeit auf etwa 2.850 m liegt.

nach diesem letzten halt ging die tour in begleitung unseres alpin- und vulkanologischen guides weiter,

der uns durch die oberen kraterzonen und jüngste lavaströme im gipfelbereich führte und uns kuriositäten und wunder des höchsten aktiven vulkans europas erzählte.

ein wirklich beeindruckendes erlebnis, das sich jeder sizilien-besucher gönnen sollte.noch ein blick zurück und dann ging unsere reise von 2.850 m wieder bis auf 7 m hinunter (meereshöhe des stadtzentrums von catania). am weg dorthin konnten wir immer wieder die auswirkungen der lavaströme des ätna´s sehen.

unglaublich, wie weit diese an die küste reichen.

für die nächsten tage steht catania auf unserem reiseprogramm, aber was wir da so alles erleben werden, ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin

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