diverse stadtbesichtigungen entlang der südostküste siziliens und das berühmte bodenmosaik der „bikinimädchen“ waren unsere nächsten ziele.
während unserer chillphase machten wir natürlich auch einen tagesausflug – wir ließen das cleverchen auf dem campingplatz stehen, mieteten uns ein kleines auto und fuhren nach ragusa im monti iblei-bergland, wo wir in der historischen altstadt, „ragusa ibla“, einen ausgedehnten stadtbummel durch das gassenlabyrinth unternahmen.
am weg nach ragusa hielten wir auch beim „castello di donnafugata“ an. hierbei handelt es sich nicht um eine mittelalterliche burg, sondern um eine prächtige adelsresidenz aus dem späten 19. jh. mit rund 122 prunkvollen räumen und einem riesigen park.
ein teil des gebäudes, einschließlich des turms, stammt aus der mitte des 18. jh., aber der rest wurde etwa ein jahrhundert später von baron corrado arezzo de spuches erweitert. so ließ er z.b. die hauptfassade im neugotischen stil hinzufügen, mit einer schönen loggia und eleganten dreieckbögen, sowie prunkvolle empfangsräume, einen spiegelsaal und ein theater. castello di donnafugata war bis 1982 bewohnt, und nimmt eine fläche von über 2500 m² ein.
interessant ist auch der weitläufige park rund um das castello, mit seinen alten bäumen, steinfiguren, kleinen pavillons und künstlichen grotten. da kann man sich gut vorstellen, wie hier einst die adelige familie ihre sommer verbrachte.
die historische residenz beherbergt auch ein kostümmuseum, in dem antike kleider und accessoires ausgestellt sind – ein schöner ausflug in die vergangenheit.
weiter ging es nach „ragusa ibla“
und diese altstadt hat uns dann wirklich gleich in ihren bann gezogen. enge gassen, viele stufen, alte häuser, barocke palazzi und immer wieder kleine versteckte plätze, wo besonders viel sizilianisches flair zu spüren war. ein bisschen staunen, ein bisschen fotografieren, ein bisschen treiben lassen und zwischendurch auch immer wieder kleine pausen einlegen – so mögen wir stadtbesichtigungen.
der „palazzo arezzo di trifiletti“, die “chiesa delle santissime anime del purgatorio”,
der “duomo di san giorgio”,
der „palazzo la rocca”, der „corso XXV aprile“, die „piazza pola“, das „portale di san giorgio ”, sind nur einige orte, die wir im laufe des tages besichtigten.
nach mehr als zwei wochen chillen, inkl. einer stadtbesichtigung, war es dann wieder so weit. wir verließen den campingplatz in punta braccetto
und machten uns auf den weg in richtung der kleinen stadt „piazza armerina“. ganz unseren reisegewohnheiten entsprechend befanden sich auch noch einige zwischenstopps auf dieser route. der erste war in caltagirone, wo wir den „cimitero monumentale di caltagirone“ besuchten.
dieser friedhof wird auch „cimitero del paradiso“ genannt, und dieser name passt wirklich irgendwie zu diesem besonderen ort. erbaut wurde die monumentale anlage in der zweiten hälfte des 19. jh. und wurde 1931 zum nationaldenkmal erklärt.
wir haben schon einige ungewöhnliche friedhöfe gesehen, aber dieser hier ist wieder ganz anders. keine düstere stimmung, sondern eher das gefühl, durch ein stilles freilichtmuseum zu gehen.
die anlage ist streng gegliedert, mit einem quadratischen grundriss und einer kreuzform im inneren. lange arkadengänge ziehen sich durch den friedhof, eine reihe von bögen neben der anderen, und überall entdeckt man kleine details: säulen, kapitäle, schmuckformen, alte grabinschriften, sowie kunstvoll gestaltete kapellen.
interresant ist auch die mischung der verwendeten materialien. hier trifft helle steinarchitektur auf dunkle lavasteine und auf terrakotta, und man merkt, dass hier nicht einfach nur ein ort der bestattung geschaffen wurde, sondern ein architektonisches gesamtkunstwerk.
manche kapellen wirkten fast wie kleine häuser, andere wie miniatur-palazzi, wieder andere schlicht und ruhig. dazwischen engel, kreuze, verwitterte namen und diese besondere stille, die solche orte mit sich bringen. es war kein langer besuch, aber einer, der uns mehr beeindruckte als erwartet.
vom friedhof war es nicht weit in das zentrum von „caltagiron“ und so machten wir noch einen kleinen stadtbummel.
eine stadt mit engen gassen, hellen fassaden, kleinen plätzen und den berühmten keramiken von caltagirone an allen ecken.
kaum waren wir im zentrum, sahen wir schon die ersten bunten teller, vasen, kacheln und kleinen kunstwerke vor den geschäften ausgestellt. hier ist keramik nicht nur ein souvenir, sondern einfach ein teil der stadt.
die berühmte „scalinata di santa maria del monte“ ist ein besonderes highlight und gilt auch als das wahrzeichen der stadt. diese lange treppe mit 142 stufen, ist mit einzigartigen, handbemalten majolika-keramikfliesen verkleidet, die traditionelle motive zeigen, und beim hinaufschauen wirkt sie wie ein keramikband, das sich mitten durch die stadt zieht und die historische unterstadt mit der kirche santa maria del monte am oberen ende verbindet.
im keramikmuseum „museo regionale della ceramica“ staunten wir über die handwerkliche kunst aus früheren zeiten. die sammlung mit mehr als 2.500 exponaten zeigt keramik aus vielen epochen, von sehr alten fundstücken bis zu kunstvoll bemalten tellern, krügen, fliesen und figuren aus späteren jahrhunderten. interessant war für uns, dass man die entwicklung dieses handwerks richtig nachvollziehen kann: einfache formen, religiöse motive, dekorative alltagsgegenstände und dann wieder prunkvolle stücke, bei denen man sofort sieht, wie viel geduld und können dahintersteckt.
außerdem erfuhren wir in einem der zahlreichen kunsthandwerksläden mehr über die legende des „testa di moro“. die legende besagt, dass um das jahr 1100, während der arabischen herrschaft in sizilien, in palermo ein wunderschönes mädchen lebte, das sich gerne selbst um ihre pflanzen auf dem balkon kümmerte. eines morgens sah sie ein junger moro (damit ist hier ein araber gemeint), der von ihr bezaubert war und ihr seine glühende liebe erklärte, die das mädchen erwiderte.
aber die leidenschaft verwandelte sich in wut, als sie herausfand, dass ihr geliebter sie bald verlassen würde, um zu seiner frau in den orient zurückzukehren. das mädchen wartete auf die nacht und sobald der maure eingeschlafen war, schnitt sie ihm den kopf ab und machte daraus ein gefäß, in dem sie ihr basilikum züchten konnte: auf diese weise konnte er sie nicht mehr verlassen. so entstand die tradition, vasen in form des kopfes eines mauren zu verwenden, zu denen im laufe der zeit auch vasen mit weiblichen gesichtszügen hinzukamen.
nach diesem stadtbummel war klar: „caltagirone“ ist nicht nur wegen seines monumentalen friedhofs einen stopp wert, die stadt gibt auch einblick in historische keramikwerkstätten und moderne ateliers, die tradition mit neuen kreativen design verbinden.
unser nächster stopp galt einer verlassenen arbeitersiedlung, „borgo baccarato“, einer der zahlreichen lost places auf sizilien. der kleine ort liegt in der provinz enna und wirkt heute fast wie eine filmkulisse, entstanden in den 1950er-jahren im umfeld der damaligen landreform und der schwefelmine baccarato. geplant war hier kein richtiges dorf im klassischen sinn, sondern eher ein kleiner versorgungsort für die menschen und arbeiter der gegend, mit kirche, schule, post, ambulatorium, wohnungen, handwerksräumen und einer trattoria.
als die mine in den 1970er-jahren ihren betrieb einstellte, verlor der ort praktisch seine grundlage. dazu kam die allgemeine abwanderung aus den ländlichen gegenden siziliens, viele menschen suchten arbeit im norden italiens oder im ausland. ohne mine, ohne wirtschaftliche perspektive und mit immer weniger bewohnern wurde „borgo baccarato“ schließlich aufgegeben. später gab es zwar immer wieder ideen zur wiederbelebung, doch wirklich zurück ins leben gefunden hat der kleine ort nicht mehr.
heute stehen dort die leeren gebäude, teils noch gut erkennbar, teils schon stark vom verfall gezeichnet. gerade diese mischung aus geplanter siedlung, verlassenem alltagsort und sizilianischer landschaft machte den stopp für uns so interessant. man geht ein paar schritte durch den verlassenen ort und kann sich trotzdem gut vorstellen, wie hier früher einmal kinder zur schule gingen, arbeiter zu ihrer tätigkeit in die mine aufbrachen und wie sich das leben rund um die kleine piazza abgespielt haben muss. ein stiller, etwas melancholischer ort.
schließlich erreichten wir die „villa romana del casale“, ein paar kilometer außerhalb der stadt piazza armerina, mit dem berühmten bodenmosaik der „bikinimädchen“.
die villa wurde vermutlich im späten 3. oder frühen 4. jh. n. chr. als luxuriöser landsitz eines sehr reichen römischen grundbesitzers oder hohen beamten erbaut – wer genau der besitzer war, ist bis heute nicht eindeutig geklärt, aber eines ist sofort klar: arm war der herr sicher nicht.
die anlage ist riesig und man bewegt sich heute über erhöhte stege durch die einzelnen räume. unter einem liegen dabei mosaike, mosaike und noch mehr mosaike – angeblich über 3.500 m², und viele davon sind erstaunlich gut erhalten. das ist beeindruckend, denn man schaut nicht einfach nur auf alte steine, sondern auf unterschiedlichste bildgeschichten: jagdszenen, tiere, mythologische figuren, alltagsszenen und geometrische muster. besonders hervorzuheben ist der lange korridor der „großen jagd“, auf dem exotische tiere gefangen und transportiert werden. löwen, elefanten, tiger und andere tiere ziehen sich über viele meter dahin und zeigen, welchen weltweiten anspruch und reichtum der damalige besitzer wohl demonstrieren wollte.
und dann natürlich die „bikinimädchen“. eigentlich handelt es sich um junge sportlerinnen, die in knapper zweiteiliger sportkleidung verschiedene übungen machen – laufen, ballspielen, gewichtheben oder sich mit einem siegeskranz zeigen. weil diese darstellung aber so modern wirkt, hat sie ihren heutigen spitznamen bekommen. man steht davor und denkt unweigerlich – moment einmal, das soll über 1.700 jahre alt sein?
was uns gefallen hat, die „villa romana del casale“ ist nicht einfach eine archäologische stätte, sondern ein rundgang durch die antike siziliens. jeder raum erzählt etwas anderes – einmal geht es um macht und jagd, dann wieder um badekultur und sportliche ereignisse – präsentiert in hallen, empfangsräume, speisesäle und privaten bereichen des riesigen anwesens.
vieles wurde über jahrhunderte durch erdrutsche und schlammschichten bedeckt und dadurch paradoxerweise geschützt. erst durch die ausgrabungen im 20. jh. kam diese pracht wieder zum vorschein.
ein tipp von uns: wir waren zur abendbesichtigung vor ort, denn untertags ist es hier einfach zu überlaufen – wir waren ganz alleine. anscheinend kennen nur wenige diesen vorteil: leerer kostenloser parkplatz und nur halber eintrittspreis.
weiter ging es für uns in richtung villaggio mosè, einem vorort der stadt agrigent, und was wir da so alles erlebten ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin
alles liebe von den
hovisontour
