wales, ein neuer reiseabschnitt beginnt…

wales, ein neuer reiseabschnitt beginnt und zwar gleich nach dem grenzübergang mit einem besuch von „tintern abbey“. im idyllischen wye valley, im südosten von wales, an der grenze zu england, erhebt sich die beeindruckende klosterruine – ein ort voller stiller erhabenheit und bewegter geschichte. gegründet im jahr 1131 von zisterziensermönchen, war die abtei einst ein blühendes spirituelles zentrum. die gotische struktur stammt größtenteils aus dem späten 13. jh., eine architektonische meisterleistung ihrer zeit.
nach der auflösung der klöster unter heinrich VIII. im jahr 1536 wurde die abtei aufgegeben und verfiel langsam, bis nur noch ihre gewaltigen steinbögen und fensteröffnungen in den himmel ragten. doch genau dieser verfall macht heute ihren reiz aus: die ruine ist kein museum, sondern ein lebendiges denkmal vergangener zeiten und gilt als die besterhaltene mittelalterliche kirchenruine in wales  – einfach wunderschön.

nicht weit von tintern abbey steht das „chepstow castle“, das wir im anschluss besuchten. chepstow castle ist eine beeindruckende mittelalterliche burg und gilt als eine der ältesten steinernen burgen des landes mit baubeginn um 1067, kurz nach der normannischen eroberung englands. sie ist auf einem strategisch günstigen punkt hoch über dem fluss wye auf einem kalksteinfelsen errichtet worden und erstreckt sich über 213 meter entlang des flusses. sehr ungewöhnlich für burgen, die sonst eher kompakt gebaut sind. die burg wurde in mehreren phasen erweitert und enthält eines der ältesten erhaltenen burgtore europas (aus eiche, vermutlich um 1190 gebaut). einst diente chepstow castle der grenzsicherung, wurde aber im laufe der jahrhunderte von verschiedenen adelsfamilien und einigen der mächtigsten männer englands und wales bewohnt. so z.b. von william marshal (earl of pembroke), den die meisten historiker als den größten ritter englands betrachten.

ja, und weil es so schön war, schauten wir auf einen kurzen besuch im „caldicot castle“ vorbei. heute eine burgruine mit museum bietet diese einen einblick in die mittelalterliche architektur (vom ursprünglich hölzernen turmförmigen gebäude auf einem künstlich angelegten erdhügel umgeben von einem graben, bis hin zum aufbau zur steinernen festung mit hoher ringmauer). die anlage ist gut erhalten, jedoch große highlights darf man nicht erwarten. für einen spaziergang in historischer umgebung ist das caldicot castle dennoch einen besuch wert.

zum tagesabschluss machten wir noch im „magor marsh“ eine entspannte rundwanderung. ein einzigartiges naturschutzgebiet, das eine kombination aus feuchtwiesen, schilfgebieten, feuchten wäldern und einem großen teich bietet und ein beliebter ort für tierbeobachtungen ist.

am nächsten tag besichtigten wir „blaenavon ironworks“. dies ist wie ein schritt zurück in das zeitalter der industriellen revolution. die gut erhaltene eisenhütte vermittelt einem eindrucksvoll, wie hart das leben und arbeiten im 18. und 19. jh war. faszinierend sind auch die originalen arbeiterhäuser, die detailgetreu eingerichtet wurden – jedes zeigt ein anderes jahrzehnt der wohnkultur. ein lohnenswerter abstecher für wales-reisende.

wales ist nicht nur bekannt für seine grünen hügel und mittelalterlichen burgen, sondern auch für seine bedeutende rolle in der industriellen revolution. ein besonders erlebnis war das „big pit national coal museum“ in blaenavon (eintritt kostenlos). es ist weit mehr als ein gewöhnliches museum – big pit ist ein echtes, ehemaliges kohlebergwerk und gehört zu den besten bergbaumuseen großbritanniens. bis zur schließung 1980 arbeiteten hier generationen von bergleuten unter oft extrem harten bedingungen. heute ermöglicht das museum einen eindrucksvollen einblick in diese zeit.
es begann mit der grubenfahrt: ausgerüstet mit helm, lampe und einem batteriepack für die tour, ging es mit einem förderkorb 90 meter in die tiefe. dort führen ehemalige bergwerkskumpel durch die original erhaltenen stollen

(fotografieren ist aus sicherheitsgründen strengstens verboten und selbst alle handys müssen abgegeben werden). mit ihren persönlichen erzählungen, den technischen details und einem ehrlichen blick auf die gefährliche arbeit unter tage vergeht diese einstündige, spannende tour viel zu schnell.
über tage zeigt das museum originale werkstätten, maschinenhäuser, das badehaus und ausstellungen zur geschichte des kohlebergbaus. big pit ist kein ort der nostalgischen verklärung, sondern ein authentisches geschichtserlebnis, das die harte realität des bergbaus spürbar macht – ein eindrucksvolles zeitzeugnis von über 120 jahren walisischer industriegeschichte, das bis heute unter die haut geht.

den tag beschlossen wir mit einem 5 km langen rundweg am keeper’s pond. ein idyllischer ort inmitten der walisischen hügellandschaft, nahe der ortschaft blaenavon. ursprünglich im 19. jh. künstlich angelegt, diente der teich einst der wasserversorgung der örtlichen eisenindustrie. heute ist er ein schöner zwischenstopp und ein idealer ausgangspunkt für wanderungen durch das unesco-weltkulturerbe blaenavon.

tretower court and castle“ ist ein besonders stimmungsvolles doppelensemble: eine imposante, runde burgruine aus dem 12. – 13. jh.

und gleich daneben ein vollständig restauriertes spätmittelalterliches herrenhaus (court). beim rundgang durch die beiden anlagen taucht man tief in die geschichte ein.
die burg stammt aus dem 12. jh., während das herrenhaus im 15. jh. von der familie vaughan erbaut wurde. die innenräume, einschließlich der großen halle und der küche, sind restauriert und geben einen lebendigen eindruck vom damaligen leben wider. tretower court gilt als eines der schönsten mittelalterlichen herrenhäuser in wales.

zeit wieder einmal die wanderschuhe anzuzuiehen um auf die ca. 7 km lange vier-wasserfälle-wanderung im brecon beacons national park zu gehen. die rundtour ist gut beschildert und die wege sind leicht begehbar. schön war es, und wir können diese wanderung nur weiter empfehlen.

nach dem wandern brauchten wir eine entspannung und die bekamen wir in der „penderyn brecon beacons distillery“ bei einer distillery tour mit verkostung. ja, was sollen wir sagen, unser erster walisischer whisky. penderyn whisky zeichnet sich durch seine besondere destillationstechnik aus, bei der ein speziell entwickelter „faraday still“ verwendet wird (ein einzelner kupfertopf, der an einer säule mit lochblechen befestigt ist) und setzt auf eine breite vielfalt an fassreifungen. sicher gut, aber leider nicht ganz unser geschmack, aber darüber lässt sich ja diskutieren. der penderin whisky hat und findet seine anhänger und das ist gut so.

am nächsten morgen war wieder ein museum an der reihe – „cyfarthfa castle museum and art gallery“, einst wohnsitz der wohlhabenden familie crawshay, die im 19. jh. zu den bedeutendsten eisenindustriellen in wales zählte. heute beherbergt das schloss ein vielseitiges museum, das unter anderem eine eindrucksvolle ausstellung über die lebensbedingungen der arbeiter und über das industrielle zeitalter zeigt sowie eine kunstgalerie.

ehe wir ein weiteres schloss besuchten wollten wir uns im ‘parc penallta‘ in ystrad mynach “sultan the pit pony“ ansehen. also maschierten wir die 4 km durch den park um dann vor einem etwas seltsamen pit pony zu stehen – der kleine drahtunterstand ist das ohr.
anders ausgedrückt “sultan the pit pony“ ist nach unserem verständnis nur aus der vogleperspektive, d.h. mittels einer drohnenaufnahme vielleicht schön anzusehen.Fotoquelle: https://www.atlasobscura.com/places/sultan-the-pit-pony – den spaziergang muss man nicht wiederholen 😉.

da wir von castels nicht genug bekommen können besuchten wir in caerphilly das gleichnamige „caerphilly castle“. diese burgruine zählt zu den größten bollwerken großbritanniens und beeindruckt mit seinen gewaltigen mauern, wassergräben und dem schiefen turm. diese im 13. jh. errichtete festung ist ein eindrucksvolles beispiel für mittelalterliche verteidigungsarchitektur. beim rundgang durch das weitläufige gelände spürt man die geschichte auf schritt und tritt und obwohl man nur ganz wenige innenräume besuchen kann, wie z.b. die restaurierte wohnhalle, sind die ausblicke von den wehrgängen absolut sehenswert. im inneren der anlage befindet sich heute eine ausstellung über die geschichte und die architektur der burg – ein lohnenswertes ziel für einen besuch.

den ganzen nächsten vormittag verbrachten wir im open-air museum „st. fagans national museum of history“ (der eintritt ist kostenlos). ein lebendiges stück walisischer geschichte, das die geschichte und kultur von wales eindrucksvoll zum leben erweckt. über 40 historische gebäude aus verschiedenen regionen und epochen wurden hier originalgetreu wieder aufgebaut – von traditionellen bauernhäusern, über eine viktorianische schule, bis hin zu einer mittelalterlichen kirche. besonders sehenswert ist das liebevoll rekonstruierte ‘kleine dorf‘. hier kann man durch schmale gassen schlendern, die typischen cottages von arbeitern und handwerkern erkunden und einen eindruck davon bekommen, wie die menschen in wales früher lebten und arbeiteten. auch ein kleiner dorfladen, eine bäckerei (mit köstlich frischen gebäck) und die örtliche schmiede fehlen nicht und machen den rundgang zu einer kleinen interessanten zeitreise.

an unserem tagesendziel cardiff angekommen stellten wir unser ‘cleverchen‘ am cardiff caravan and camping park ab, der etwas außerhalb des stadtzentrums liegt. von dort wanderten wir zum hafen, wo wir eine kleine hafenrundfahrt mit „cardiff cruises“ machten. eine gemütliche stunde tuckerten wir durch das hafengebiet, einst umschlagplatz für kohle und stahl, mit fantastischen blick über die cardiff bay mit dem mermaid quay (shoppingviertel), dem wales millennium centre (kultur- und veranstaltungszentrum), pierhead building (ehem. hauptsitz der bute dock company), senedd-gebäude (das walisische parlament), der norwegian church und den alten docks. entspannend und der richtige ausgleich zum hecktischen stadtleben.

ja, hecktisch war es an diesem tag, denn es fand ein rugby match statt und daher war alles großräumig rund um das stadion abgesperrt. übrigens, cardiff hat an diesem tag gewonnen und die stimmung war dementsprechend ausgelassen.

sonntag morgen, zeit für einen kleinen spaziergang im „merthyr mawr nature reserve“, durch die sanddünen bis zum meeresstrand. unglaublich diese gegend.

und weil es so schön war hängten wir gleich noch eine fast 7 km  wanderung im „kenfig national nature reserve“ an. natur pur.

die letzte besichtigung an diesem tag galt dem „margam castle“. ein eindrucksvolles herrenhaus im neugotischen stil, das malerisch eingebettet im weitläufigen margam country park in der nähe von port talbot liegt. erbaut zwischen 1830 und 1840 für christopher rice mansel talbot, einem walisischen industriellen und politiker, beeindruckt das schloss mit seiner detailreichen architektur, hohen türmen und kunstvollen steinmetzarbeiten. leider sind nur die bereiche eingangshalle und treppenhaus des schlosses zu besichtigen. die anderen räumlichkeiten sind nur im rahmen einer führung zugänglich. aber auch von außen kann man den besonderen charme des bauwerks auf sich wirken lassen. uns hat es gut gefallen.

wir werden noch einige tage in wales verbringen, ehe wir uns auf den weg nach irland machen – aber was wir in wales noch so alles erlebten, ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin

alles liebe von den
hovi´s on tour

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