nach der provinz brindisi zur halbinsel salento, dem sogenannten „absatz“ des italienischen stiefels…

nach der provinz brindisi zur halbinsel salento, dem sogenannten „absatz“ des italienischen stiefels, und bevor wir weiterfuhren kontrollierte ingrid noch schnell, ob das meer eh noch immer an seinem platz ist.

da dies der fall war machten wir noch ein foto von der burg in brindisi (castello di mare – die rote festung auf der insel sant’andrea, die den hafeneingang bewacht), ehe wir die stadt richtung eines weingutes verließen.

in „san pietro vernotico“ besuchten wir das weingut „torleanzi“. zwischen reben und oliven tauchte die historische masseria auf, bewacht vom majestätischen torre leanzi aus dem 15. jh., einer jener alten wachtürme die von den aragonesischen vizekönigen errichtet wurde, um die küsten des salento vor sarazenischen überfällen zu schützen. heute bewacht er etwas mindestens genauso kostbares – fast hundert hektar land, auf denen die winzerfamilie seit über drei generationen die weingärten pflegt.

im gespräch merkten wir schnell, wie sehr hier tradition und moderne technologie in handarbeit zusammengehen. angebaut werden vor allem die autochthonen rebsorten „primitivo“, „negroamaro“ und „susumaniello“, also genau jene trauben, die in apulien für kräftige, sonnenwarme weine stehen. rund um die masseria ist alles auf genuss eingestellt – vinothek, verkostungsbereich und draußen die ruhe der weingärten.
nach einer wunderbaren führung durch den weingarten, wir lernten z.b. dass es sortenbedingt unterschiedliche weinblattgrößen gibt, ein wichtiges merkmal um vor ort im weinberg, die verschiedenen rebsorten optisch voneinander zu unterscheiden.

aber wir waren nicht nur zum schauen, sondern auch zum probieren gekommen. bei der verkostung standen uns der weißwein „verdefian“ (cuvée aus verdeca & fiano), ein duftiger „negroamaro rosé“ und der „tyrannus“, ein samtiger primitivo di manduria dop im glas zur verfügung.
der weißwein war nicht so ganz unser geschmack, dagegen war der negroamaro rosé eine echte positive überraschung und der tytyrannus ein fantastischer rotwein genau nach unserem geschmack.

unser fazit, „torleanzi“ ist ein empfehlenswerter stopp, wenn man auf dem weg zu den stränden im salento unterwegs ist – für eine pause im grünen, ein bisschen geschichte und hervorragende weine, die tiefen einblick in die regionalen authentischen weine apuliens vermitteln.
übrigens, auf der masseria gibt es im historischen „torre leanzi“ auch zimmer zu buchen.

entspannt ließen wir die masseria hinter uns und rollten unserem schlafplatz in campo di mare entgegen.

als nächstes machten wir einen stadtrundgang durch „lecce“ (dem „florenz des südens“) und das barocke historische zentrum. überall leuchtet der typisch üppige „lecceser barock“ (gefertigt aus dem charakteristischen, honigfarbenen kalkstein), mit verspielten fassaden, balkonen, rosetten und steinernen figuren, der die altstadt so unverwechselbar macht.

wir haben uns einfach treiben lassen, denn hinter jeder gasse wartet schon das nächste portal, der nächste palazzo oder eine kleine piazza mit ganz viel süditalienischem leben.
eindrucksvoll waren für uns die basilica santa croce,

die piazza sant’oronzo mit dem römischen amphitheater,

die chiesa del gesù,

und die die piazza del duomo mit der kathedrale

und der krypta

– ein spannender wechsel zwischen barocker pracht und antiker geschichte. genau diese mischung macht lecce aus – eine stadt, die gleichzeitig elegant, lebendig und völlig entspannt wirkt.
für uns war der stadtrundgang jedenfalls weit mehr als nur sightseeing – eher ein langsames eintauchen in das lebensgefühl des salento.

unser nächstes nachtquartier fanden wir in melendugno, bei einem winzer und olivenbauer, der den campingplatz „camper area united pasha“ betreibt. obwohl die saison noch nicht richtig begonnen hat, und alles noch ein wenig im umbau und wieder herrichten war, bekamen wir einen gemütlichen stellplatz.

schade, dass wir nur eine nacht blieben, denn für den nächsten abend war am platz gemeinsames fischgrillen angesagt. wenn wir nochmals in der nähe sind, werden wir sicher wieder kommen😉.

am nächsten morgen ging es richtung otranto, mit zwischenstopp in „roca vecchia“ (alte festung), einem interessanten archäologischen fundort, dessen bestehen bis in die mittlere bronzezeit zurückreicht. durch die lage an einer natürlichen anlandestelle war der ort früh ein wichtiger kontaktpunkt zwischen apulien, dem ägäischen raum und dem übrigen mittelmeer.

als wir entlang der mauern wanderten und auf das wasser blickten, war es gar nicht schwer sich vorzustellen, wie hier einst menschen ankamen, handelten und lebten.

je länger wir uns durch das gelände bewegten, desto faszinierender wurde dieser ort für uns. besonders schön fanden wir auch die nahe natürliche felshöhle „grotta della poesia“, die in der antike vermutlich kein badeplatz, sondern ein kultort war. darauf weisen zahlreiche felsinschriften, -zeichnungen und -einritzungen in messapischer, griechischer und lateinischer sprache hin.
heute läuft man zwischen geschichtlichen mauerresten und diesem unglaublichen meerblick herum und über allem wacht die „madonna of roca vecchia“, die von der lokalen bevölkerung tief verehrt wird und nach wie vor das ziel von wallfahrten ist.für uns war „roca vecchia“ jedenfalls einer dieser plätze, an denen man eigentlich nur kurz anhalten wollte und dann doch viel länger bleibt als geplant.

bei unserem anschließenden stadtrundgang durch „otranto“ (einem ehemaligen vorposten des byzantinischen reiches auf apulischem boden) war leider die mächtige burg von otranto ebenso wie die kathedrale gesperrt.

nachdem wir sehr flexibel sind war das für uns auch kein problem, wir flanierten gemütlich durch die stadt und hatten genügend zeit für einen „limoncello- und aperol-spritz“ sowie „fritto misto di pesce“

– ebenso schön wie die geplanten besichtigungen und vor allem köstlich 😉.

zum tagesabschluss wollten wir uns noch die in der nähe der stadt gelegenen alten bauxitminen ansehen. leider ist mittlerweile alles privatgrund und großflächig gesperrt. vom parkplatz aus ist nurmehr der zugang zu einer einzigen „cava di bauxite“ möglich und selbst die kann man nichtmehr umrunden sondern nur von einer stelle aus von oben ansehen.
also machten wir einen schönen abendspaziergang entlang vieler bunter frühlingsblumen bis zum meer.

aber auch das am strand gelegene kleine restaurant war nicht geöffnet. tja, außerhalb der hochsaison findet man häufig das schild „chiuso“, aber daran haben wir uns auch schon gewöhnt.

die nacht haben wir einsam und in absoluter ruhe auf dem parkplatz der „cava di bauxite“ verbracht. zum glück kam keiner klopfen, wahrscheinlich hat der besitzer auch schon geschlafen 😉.

im laufe des nächsten vormittages verschlechtete sich das wetter zunehmend. wir machten in „santa maria di leuca“ einen sehr kurzen stopp, um uns die wallfahrtskirche und den „monumental wasserfall“ anzusehen. war nicht sehr gemütlich, denn mittlerweile regnete es heftig, aber wir sind ja nicht aus zucker, und mit ordentlichen regenjacken stiegen wir zur wallfahrtskirche hoch.

der ausblick über das meer lohnte sich an diesem tag nicht, dafür ist die geschichte dieses ortes interessant. das „santuario di santa maria de finibus terrae“ steht an einem platz, der schon in vorchristlicher zeit bedeutend war. der überlieferung nach befand sich hier einst ein minerva-tempel aus dem heraus sich einer der wichtigsten wallfahrtsorte des salento entwickelte.

aufgrund der exponierten lage wurde der ort immer wieder von sarazenen und türken bedroht und die anlage zerstört. der heutige bau stammt aus dem 18. jh. und wirkt mit seiner schlichten, fast wehrhaften form ein wenig wie eine über dem meer drohnende festung.
der „monumental wasserfall“ ist schon seit längerem ohne wasser – pumpen kaputt und kein geld für die reparatur.

tagesendziel war „torre san giovanni“, an der südwestküste der halbinsel salento, wo wir für eine längere reisepause am cp „area camper rivamare“ einen stellplatz bezogen.

wir bekamen was wir suchten und wollten – eher familär, ganzjährig geöffnet, direkt am km-langen sandstrand, fußläufige distanz in den hafen und die stadt mit zahlreichen lokalen und einkaufsmöglichkeiten.

 

die wc’s & duschen sind makellos sauber, es stehen moderne waschmaschinen und trockner zur verfügung,

die strom- und trinkwasserversorgung in den einzelnen reihen ist ausreichend, der platz bietet schattige stellplätze (frei wählbar) und die entsorgungsstation sowie ein hundewaschplatz befinden sich im zufahrtsbereich.

es gibt keinen kinderspielplatz, keine animation und keine musikbeschallung, was ruhe und entspannung bedeutet – ein cp wo es sich nach unserem dafürhalten auch länger aushalten lässt.

für fischliebhaber haben wir auch einen tipp. fangfrischen fisch und meeresfrüchte in der „pescheria e friggitoria del porto“ probieren – eine kombination aus fischgeschäft und imbiss direkt am hafen. nein, kein edles, typisches fischrestaurant der gehobenen preisklasse. man wird nicht bedient, man füllt die bestellung auf einem vordruck aus, geht zur kasse um zu bezahlen, wartet bis man aufgerufen wird und geht mit dem tablett zum frei gewählten tisch.
einfach auf der veranda mit blick auf das meer sitzen, den sonnenuntergang verfolgen und fischgerichte genießen 😋.

von torre san giovanni geht es über gallipoli und tarent weiter nach kalabrien, die stiefelspitze italiens, aber was wir da noch so alles erleben werden, ist eine andere geschichte über die wir noch berichten werden. bis dahin

alles liebe von den
hovisontour

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